Menschen und Orte, die mich geprägt haben

Geboren bin ich in dem kleinen Dorf Lohne bei Soest. Und obwohl ich in Städten gelebt habe, bin ich bis heute kein Stadtmensch geworden.

Meinen Eltern verdanke ich die Leidenschaft für das Familienleben. Außerdem habe ich die Lust am gesellschaftlichen Engagement von ihnen geerbt. Meine Mutter war Kreistagsmitglied und stellvertretende Landrätin im Kreis Soest, mein Vater war Presbyter. Ich selbst war in Lohne Vorsitzende der Landjugend später Landesvorsitzende der westfälisch-lippischen Landjugend.

Oft besuchte ich als Kind meine Großeltern in Berlin. Berlin war für mich eine fremde, sehr spannende Welt. Groß, lebendig und voller Überraschungen aber auch laut, stressig und grau. Die Berliner Mauer hat mich damals tief beeindruckt: Welch ein Glück, in der Wahl der eigenen Heimat frei zu sein!

Zum Studium zog ich zunächst nach Saarbrücken, später nach Münster – der Aufbruch in ein ganz neues Leben. Ich lernte Menschen mit den unterschiedlichsten Lebenserfahrungen aus dem In- und Ausland kennen und schätzen. Meine Welt wurde größer und bunter.

Meinen späteren Mann Jochen Stoppenbrink lernte ich bei einer gemeinsamen Studienreise nach Krakau kennen, wo sich damals die Solidarnosc im Untergrund formierte. Ein spannender Mann in spannenden Zeiten ;-), da musste es einfach funken.

So kam ich schließlich der Liebe wegen wieder zurück aufs Dorf – nach Halle-Ascheloh – wo ich mich seit 25 Jahren sehr wohl fühle. Als Kind der platten Soester Börde ist mir insbesondere der Teutoburger Wald sehr ans Herz gewachsen.

Mein Mann gab für die Familie seinen Beruf auf. Dafür bin ich ihm sehr dankbar, denn ich liebe meine Familie über alles, habe aber auch Spaß am Beruf und konnte durch ihn beides ohne Stress unter einen Hut bringen. Ein Privileg, das nicht viele Frauen haben.

Meine Familie liegt mir noch immer sehr am Herzen, auch wenn die Kinder inzwischen beide aus dem Haus sind – Anna in Osnabrück, Erik in Australien. Den Drang, die Nase vor die Tür zu stecken, haben sie von mir geerbt. Das freut mich und macht mich stolz.

Nun, da die Kinder aus dem Haus sind und für sie ein neuer Lebensabschnitt beginnt, habe auch ich Lust, meinem Leben eine neue Wendung zu geben und in Halle Bürgermeisterin zu werden.

 

 

Studium und Beruf

Wäre ich mutiger gewesen, hätte ich vielleicht Physik studiert. Mathe und Physik machten mir Spaß und waren meine Leistungskursfächer. Wir waren 3 Mädchen im Kurs. Also entschied ich, dass das kein Job für Mädels sein kann und studierte Volkswirtschaft. Bei diesem Studium lag der Anteil der Frauen damals immerhin bei 30 %.

Noch heute bin ich – für eine Grüne vielleicht nicht selbstverständlich – glühende Anhängerin der Idee der Marktwirtschaft. Wenn wirtschaftliche und technische Entwicklung heute unsere Lebensgrundlagen bedrohen, dann liegt es daran, dass die Politik es nicht vermag, der Marktwirtschaft den richtigen Rahmen zu geben. Das Problem ist, dass es nichts kostet, die Umwelt zu verschmutzen und das Klima aufzuheizen.

Nach dem Studium in Saarbrücken und Münster hätte ich das schöne Studentenleben gerne fortgesetzt. Da war es ein Sechser im Lotto, als mein Professor mir anbot, als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität zu bleiben und zu promovieren. Vier weitere Jahre studentisches Leben und dabei noch Geld verdienen J

Auch nach der Promotion blieb ich zunächst in Münster: Als Referentin des Stadtdirektors und später als Leiterin der Wirtschaftsförderung habe ich sehr viel über Stadtentwicklung, Verwaltungsprozesse und auch über Menschen gelernt. Und ich habe gemerkt, dass es mir großen Spaß macht, in einer Kommunalverwaltung zu arbeiten. Gerne wäre ich geblieben, wäre da nicht meine Familie gewesen, die in Halle-Ascheloh lebte. Fast 3 Stunden Fahrt pro Tag nach Münster und zurück waren zu viel.

So wechselte ich nach Gütersloh zur Bertelsmann Stiftung, blieb aber auch hier meinem Interesse an kommunalen Themen treu: Nachdem ich zunächst Strategiereferentin des Vorstandes war, übernahm ich die spannende Aufgabe der Programmleitung für Lebenswerte Kommunen. In dieser Rolle begleite ich viele interessante Prozesse in und mit Kommunen. Die Themenvielfalt ist dabei immens: Nachhaltigkeit, Familiengerechtigkeit, Soziale Teilhabe, Demographischer Wandel, Weltoffenheit, bürgerschaftliches Engagement, Digitalisierung…

Als Bürgermeisterin hätte ich die Chance, kommunale Prozesse nicht nur zu begleiten, sondern gemeinsam mit Bürgern, Politik und Verwaltung selbst umzusetzen.

Was mir fehlen würde, wären die vielen spannenden Reisen durch Deutschland, bei denen ich tolle Menschen und tolle Initiativen kennengelernt habe. Andererseits wäre es sicher auch für die Bürgermeisterin von Halle und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr interessant zu reisen und gute Anregungen aus anderen Städten und Gemeinden mit nach Hause zu bringen.